Schätze im Dom

14.09.2020 von Barbara Schwartz
Historie

Prachtvolle Klarheit

Backsteintraum im Süden der Altstadtinsel

Der Dom am Mühlenteich

Heute nehme ich euch mit zum Dom zu Lübeck, der mit seiner doppelten Turmspitze seinen prägenden Beitrag zur 7-Türme-Silhouette Lübecks leistet und seit seinen Anfängen eine wechselvolle Geschichte erlebt hat. Der erste hölzerne Kirchenbau stammt aus dem Jahr 1162 nachdem 1160 Lübeck Sitz des Bistums geworden war, der Grundstein für den Backsteinbau wurde 1173 gelegt. Bauherr war Heinrich der Löwe, dem an der Nordseite des Doms ein Denkmal gesetzt wurde. Der romanische Bau wurde im 14. Jahrhundert im Stil der Gotik umgebaut: aus der Basilika wurde eine dreischiffige Hallenkirche, beide Seitenschiffe wurden auf die Höhe des Hauptschiffs angehoben. Mit der Reformation kam es zu der kuriosen immerhin 41 (!) Jahre andauernden Situation, dass der Westteil des Kirchengebäudes evangelisch wurde, während der Chor katholisches und bischöfliches Zentrum blieb.

Ein Bischof, der seiner Liebsten ein Denkmal setzte

In seinem Innern wirkt der Dom protestantisch schlicht und kühl. Umso beeindruckender wirkt das Triumphkreuz von 1477 jedes Mal auf mich, das zum Glück 1942 gerettet werden konnte, wenn es auch erheblichen Schaden nahm: 14 Jahre arbeiteten polnische Fachleute an der Restaurierung des Kreuzes und brauchten damit ebenso lange wie einst Bernt Notke zur Schaffung des Kreuzes im 15. Jahrhundert.

Diese wunderbare Schnitzarbeit hat eine Höhe von 17 Metern und zeigt mehr als 70 geschnitzte Figuren. Auftraggeber und Stifter war der damalige Bischof Albert Krummediek, der unter den Skulpturen auf dem Triumphkreuz ebenfalls dargestellt ist. Er kniet gegenüber der Gestalt der Sünderin Maria Magdalena, deren Gesicht angeblich dem der Geliebten des Bischofs ähnelt.

Schlimme Folgen der Palmarum-Nacht 1942

1942 zerstörten Sprengbomben das Dach des Doms, unermessliche Kunstschätze im Kirchenraum gingen verloren, manches konnte jedoch auch gerettet werden. Die Sicherung der Ruine und der Wiederaufbau kamen nur langsam voran. In ganz Deutschland sammelte der Verein „Rettet des Dom“ Spenden für dessen Restaurierung. Erst ab 1960 konnten die Arbeiten beginnen, beinahe 20 Jahre dauerte es, bis auch die Wiederherstellung des Innenraums abgeschlossen war. Das Paradies – die Vorhalle mit dem repräsentativen Haupteingang, die auch Ort der kirchlichen Rechtsprechung war und an den sich Verbrecher flüchten und sich so zunächst der weltlichen Obrigkeit entziehen konnten - konnte sogar erst 1982 der Öffentlichkeit und der Domgemeinde zurückgeschenkt werden.

Ein Besuch ist nicht genug

Uhr Lettner Dom zu Lübeck

Auch der vollständig erhaltene Lettner, der die vier Schutzpatrone der Kirche zeigt, stammt von Bernt Notke – der als einer der bedeutenden Künstler der damaligen Zeit im Hanseraum gilt. Mein Blick geht immer auch zur Lettneruhr, die aus dem 17. Jahrhundert stammt und daran erinnert, dass uns unsere Zeit nur geliehen ist. Vier der erhaltenen mittelalterlichen Flügelaltäre konnten in den Dom zurückgeführt werden, darunter der Altar der Stecknitzfahrer, die im Domviertel zuhause waren und Salz aus der Lüneburger Saline nach Lübeck brachten. Der berühmte Passionsaltar von Hans Memling stand übrigens ursprünglich auch im Dom. Er wird heute im St Annen Museum gezeigt. Über die Kanzel, das Taufbecken, die Leuchter und das erhaltene Kirchengestühl ließe sich ebenfalls noch ausführlich berichten. Heißt also: mit einem einzigen Besuch im Dom ist es nicht getan!

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