Exotik in Bronze

03.07.2020 von Barbara Schwartz
Kunst

Die schreitende Antilope

Fritz Behns Kunst im öffentlichen Raum

Plastik Fritz Behn am Holstentorplatz

Was hat eine schreitende Antilope mit Lübeck zu tun? Diese Gattung ist doch hier eher selten anzutreffen. Ich bin in schon hunderte Male an ihr vorbeigegangen - seltener vorbeigeschritten - und habe sie gar nicht richtig wahrgenommen. Sie wirkt ein wenig einsam im Schatten und Schutz der Bäume an dieser belebten Kreuzung. Sie scheint selten als Fotomotiv zu dienen und anders als das Löwenpaar schräg gegenüber auch nicht häufig für ein gemeinsames Selfie genutzt zu werden. Auch als Glücksbringer scheint sie nicht zu gelten: ihre Fesseln und Hörner blinken kein bisschen golden. Sie hat es nicht verdient, von uns übersehen zu werden – in all ihrer Grazilität und Anmut. Mit ihren zarten Gliedern. Konzentriert und wachsam wirkt sie. So als nähme sie eine Witterung auf. Sie wendet ihren Blick gen Puppenbrücke und Bahnhof. So als sehne sie jemanden herbei – einen erwünschten Gast? Einen lange vermissten Freund?

Sprössling einer namhaften Familie

Entstanden ist sie schon vor vielen Jahren: 1925 hat der Bildhauer Fritz Behn die Antilope geschaffen. Fritz Behn - der Nachname kommt uns in Lübeck bekannt vor. Fritz wurde zwar nicht in Lübeck geboren, sein Großvater war jedoch Bürgermeister der Stadt, und so verbrachte Fritz einen Teil seiner Kindheit und Jugend im eleganten Haus in der Königstraße, das mit dem Familiennamen eng verbunden ist und heute ein bedeutendes Museum beherbergt: das Behnhaus Drägerhaus. Sein Abitur legte er am Lübecker Katharineum ab. Die Familie hielt von der Idee, einem künstlerisch-kreativen Beruf nachzugehen, wenig bis gar nichts. Fritz setzte sich jedoch durch und begann seine Ausbildung in München. Er entwickelte eine Faszination für die Tierwelt Afrikas und nutzte zunächst vor allem Modelle aus dem Münchner Tierpark, der zur damaligen Jahrhundertwende frisch eröffnet worden war. 1907 reiste er zum ersten Mal in die damalige Kolonie Deutsch-Ostafrika, weitere Aufenthalte sollten folgen. Er nahm an Safaris teil und entwickelte zunehmend einen ganz eigenen Stil im Sinne einer modernen Interpretation der Naturvorbilder und machte sich so einen Namen als bedeutender Tierskulpteur.

Nach Lübeck kehrte Behn immer wieder zu privaten Besuchen zurück. Er stand mit Ida Boy-Ed in Verbindung, die ihn in seinen jungen Jahren gefördert hatte und verkehrte auch mit Thomas Mann. Behns Werk lässt sich an verschiedenen Orten im Stadtbild erleben. Darunter auch im Schulgarten an der Wakenitz. Den dortigen Bauerngarten bewacht die Plastik Panther aus dem Jahr 1934. Mir erscheint es recht schlau, dass man die Beiden so weit voneinander getrennt hat. Die schreitende Schönheit hätte sicher das Nachsehen gehabt.

 

Lust auf mehr Kunst im öffentlichen Raum in Lübeck?

Es gibt eine sehr umfangreiche Internetpräsenz des Fachbereichs Kultur und Bildung der Hansestadt Lübeck, die eine Vielzahl von Objekten in Bild und Text vorstellt und Lust auf weitere Spaziergänge macht. Die Auflistung beschreibt auch Exponate außerhalb der Lübecker Altstadt und gibt Hinweise zu den jeweiligen Kunstschaffenden.

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