Julia Mann

28.09.2020 von Barbara Schwartz
Literatur

Die inspirierende Mutter der schreibenden Brüder

Auf den Spuren einer faszinierenden Frau

Julia Mann geb. Da Silva Bruhns
© ETH-Bibliothek-Zürich, Thomas-Mann-Archiv

Die Costa Verde in Brasilien ist die Heimat der Mutter von Thomas und Heinrich Mann. 1851 wurde Julia in schwüler Urwaldluft in Paraty geboren, einem kleinen Ort rund 250 km südlich von Rio de Janeiro, der heute komplett unter Denkmalschutz steht. Dort lebte sie zwar nur 7 Jahre, hatte jedoch ihr ganzes Leben lebhafte Erinnerungen an diesen smaragdgrünen Platz am Meer. „Unter Affen und Papageien“ sei sie aufgewachsen, schrieb sie später. Ihr Vater war 19-jährig aus Lübeck nach Paraty ausgewandert und hatte als erfolgreicher Kaufmann dort sein Glück gemacht. Julias glückliche Kindheit endete als ihre Mutter Dona Maria Luiza bei der Geburt des sechsten Kindes starb. Der Vater beschloss, mit den Kindern zurück nach Deutschland zu gehen, eine Entscheidung, die für die Kinder eine einschneidende Veränderung bedeutete

Kulturschock und lübsche Kost

Vom ewigen Sommer ins norddeutsche Lübeck, wo niemand portugiesisch sprach, es keine Sklaven, keine Palmen und keinen Reichtum gab und die Sitten und Gebräuche ebenso fremd waren wie das ungewohnte Essen. Julias Urenkel Frido Mann berichtet, dass Julia den vom Himmel fallenden Schnee in ihrem ersten Lübecker Winter für Zucker hielt. Julia wurde in ein Pensionat gegeben, lernte rasch nicht nur hochdeutsch, sondern auch plattdeutsch, englisch und französisch und heiratete 18-jährig den Lübecker Senator Johann Thomas Heinrich Mann

Lebenslange Sehnsucht nach dem Süden

Die musisch begabte und literarisch interessierte Mutter schenkte ihren Töchtern und insbesondere den schreibenden Söhnen Thomas und Heinrich ihre innere Lebenswelt. Mit Nachtliedern und Kurzgeschichten weckte sie auch in Thomas, der der Mutter in seinem 1930 erschienen Roman „Bild der Mutter“ ein Denkmal setzte, die Lust am Träumen und Schreiben. Die 'Frohnatur', die künstlerisch sinnliche Richtung und - im weitesten Sinne des Wortes - die Lust zu fabulieren', habe er von der Mutter, schrieb Thomas im Jahr 1936.

Julia Mann in der Buddenbrook-Ausstellung im Behnhaus

Während der Umbau- und Erweiterungsarbeiten im Buddenbrookhaus, widmet sich eine der Stationen der im Behnhaus Drägerhaus voraussichtlich noch bis 2023 gastierenden Ausstellung „Buddenbrooks im Behnhaus“ der wunderbaren und exotischen Mutter der Schriftstellerbrüder und ihrer lebenslangen Liebe zum Süden, die sie ihren Kindern vererbte. Eines der Exponate ist ein Poesiealbum einer damaligen Mitschülerin im Mädchenpensionat, in dem sich Julia mit einem Eintrag verewigte. Die spannend erzählte Geschichte der Halb-Brasilianerin lässt sich auch im Rahmen einer Führung im Behnhaus mit der Kulturvermittlerin Annette Klockmann erleben. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es auf der Website des Buddenbrookhauses.

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