Papeterie Holzapfel Design

25.11.2020 von Barbara Schwartz
Kunst

Von der Liebe zum Papier

„Ich möchte Bastlerin werden!“. Diese eindeutige und bestimmte Antwort gab Birgit Elisabeth Holzapfel bereits als kleines Mädchen. So lange sie denken kann, liebte es die Inhaberin der kleinen „Papeterie“ in der Glockengießerstraße 89, kreativ mit Papier zu arbeiten. Als Schülerin kam sie erstmals in Kontakt mit der uralten Kunst des Origami und seitdem hat das Bastelfieber sie nicht mehr losgelassen. Ein Besuch bei der diplomierten Grafik-Designerin und Papier-Kunsthandwerkerin Birgit Elisabeth Holzapfel steht schon länger auf meinem Programm, und zwar, weil ich sowas von überhaupt nicht basteln kann! Ja, ein Glaubenssatz, ich weiß. Aber die halten sich ja bekanntlich recht hartnäckig. Grund genug für mich, die Papier-Kunstwerkerin in ihrem kleinen Geschäft nebst Werkstatt zu besuchen, um ihrer Liebe zum Schneiden, Kleben und Falten nachzuspüren.

Woher hast du denn dieses Papier?

Papeterie Arbeitsmaterial auf einem Regal

Die gebürtige Freiburgerin machte ihre Ausbildung zur Grafik-Designerin an der Werkkunstschule Lübeck, lebte und arbeitete dann für 16 Jahre in Hamburg und wurde „erfolgreich eingenordet“, wie sie es nennt. Neben der grafischen Gestaltung am Computer war die Kreativität mit den eigenen Händen ihr Nach-Feierabend-Ausgleich. Was als privates Hobby begann, entwickelte sich mehr und mehr zu einem Job neben dem Job. Kundinnen an ihrem Messestand in der Koppel 66 fragten nach ihrem besonderem Papier, Frau Holzapfels Wohnzimmer verwandelte sich somit regelmäßig zum Präsentations- und Verkaufsraum für die schönsten Papierwaren. Dann endlich das erste eigene Geschäft in Hamburg Ottensen. Sechs Jahre lang gab es den beliebten, kleinen Werkstattladen in der Holstentwiete. Nach der Geburt des Sohnes dann der Umzug aufs Land nach Palingen in Mecklenburg-Vorpommern. Eine idyllische Zeit unter Reetdach und kreatives Arbeiten im Bauwagen, ihrem Gartenhaus, erinnert sich die Unternehmerin. Ihre Grafik-Aufträge aus Hamburg sicherte die schnelle Internet-Verbindung über Funk vom Silo des nahen Bauernhofes. Doch sie vermisste den direkten Kontakt zu ihren Kunden. „Was siehst du?“, lautete die Frage bei einem Coaching, die Birgit Elisabeth Holzapfel so beantwortete: „Mich auf meinem Fahrrad auf dem Weg in meinen Laden.“

"Ich brauche den Laden"

Inhaberin der Papeterie Holzapfel
© Melli Freudenberg, www.mellifreudenberg.de

Seit 2014 gibt es ihn, den Werkstattladen in der Glockengießerstraße. Ihr Fachgeschäft für alle, die Papierwaren lieben. Das französische Wort Papeterie klingt allerdings viel sympathischer. Geradezu verheißungsvoll. So gibt es neben Bastelmaterial auch zauberhafte fertige Produkte wie kleine papierene Vögel oder ihre begehrten handgefertigten Reisetagebücher, die aus Seekarten gebunden sind und selbstverständlich eine edle Fadenheftung haben.

Die über Jahre entwickelte Spezialität im Materialsortiment ist Papierseide. Jeden Bogen fertigt sie zweifarbig (mit oder ohne Glitzer) und das Material ist perfekt für Origami-Arbeiten geeignet. Es würde zwar mit der Zeit ein wenig blasser, sei aber einfach wunderbar zu verarbeiten und ideal auch zum Beziehen (Bekleben) von Schachteln einsetzbar, weiß Birgit Elisabeth Holzapfel. Sie bietet die unterschiedlichsten Papierwaren an, darunter auch Papier aus Nepal, das sie von einem fair handelnden Familienbetrieb aus Deutschland bezieht. Überhaupt ist ihr als ein Mensch, dem die Nähe zur Natur ein inneres Bedürfnis ist, das Thema Nachhaltigkeit sehr wichtig.

Zum fünfjährigen Bestehen der Papeterie kamen befreundete Kunsthandwerkerinnen zu Workshops an den großen Werktisch. Ebenso wie für die eigenen kreativen Projekte schlägt Frau Holzapfels Herz nämlich auch für die Vermittlung ihrer Kenntnisse. Sie bietet daher regelmäßig Workshops zur Kunst des Papierdrucks mithilfe alter Druckwalzen an, und gibt ihr umfangreiches Wissen über Origami-Falttechniken weiter. In der aktuellen Lage ist das Drucken zwar nicht möglich, doch eine Fortsetzung des Origami Faltens ist als online Workshop geplant und Termine werden auf ihrer Webseite angekündigt.

In der Zwischenzeit hat sich die umtriebige Designerin und Kunsthandwerkerin auf die Suche nach neuen Einnahmequellen gemacht. Mietfächer schienen ihr eine passende Ergänzung des eigenen Angebots zu sein. Sie sprach kreative Menschen aus Lübeck und Umgebung an und erhielt zahlreiche positive Rückmeldungen. So kommen nun auch neue Kund:innen ins Geschäft, die sich für die Werke und Arbeiten der Mietfach-Mieterinnen begeistern. Lauter liebevoll hergestellte Schätze aus unterschiedlichsten Materialien, darunter Keramik, Filzarbeiten und Textilien, die ihr auch selbst sehr gut gefallen. Sonst würde sie eine Kooperation nicht eingehen. Denn Birgit Elisabeth Holzapfel ist in ihrem Leben gut damit gefahren, auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen. Ihre Papeterie ist der Ort, an dem für sie alle Fäden zusammenkommen, ihr Fenster nach draußen, die Präsentationsfläche ihrer Arbeiten und der direkte Kontakt zu ihren Kund:innen.

Füllhorn von Ideen

Papeterie Bögen Seiedenpapier

Nur die Papeterie allein – nein, das wäre nicht genug. Die Inhaberin hat so viele Ideen, dass der Tag dreimal mehr Stunden haben müsste. So gestaltet sie seit vielen Jahren Kinderbastelbücher für einen in Köln ansässigen Verlag. Sie schreibt die Konzepte selbst, auch die Bastelideen und Anleitungen kommen von ihr. Sie mag die Präzision, mit der sie die einzelnen Schritte im kreativen Prozess beschreiben muss. Als Grafik-Designerin entwirft sie feine Logos und Geschäftspapier für Selbständige. Auch individuelle Hochzeits- und Einladungskarten hat sie im Programm.

Und sie stellt ihre eigenen kunsthandwerklichen Arbeiten natürlich auch aus. Beim Kunsthandwerkermarkt in der Lübecker St. Petri Kirche hatte sie einige Jahre einen Stand. Viele kennen Sie noch aus der Zeit in Hamburg, als sie im Haus für Kunst und Handwerk (Koppel 66) an den dortigen Frühjahrs- und Adventsmessen teilnahm. Auch beim Kunsthandwerkermarkt in der Handwerkskammer Hannover, wo ausschließlich Arbeiten auf höchstem künstlerischem Niveau zugelassen werden, ist Birgit Elisabeth Holzapfel seit vielen Jahren dabei. Sie ist zurecht sehr stolz darauf, dass sie die strengen Vorgaben der Jury immer erfüllen konnte.

Das große Glück

Papeterie bunte Bandrollen

Birgit Elisabeth Holzapfel ist schon lange in Lübeck angekommen. Sie mag die Stadt und ihre entschleunigte Atmosphäre. Sie hat tolle Kund:innen und liebt das „Menschenkennenlernen“, den Austausch. Übrigens auch in fließendem Dänisch, wie sie mir mal eben so nebenbei verrät. Sie freut sich auf die neue Nachbarin Simone Gruber, die ab Januar nebenan ihre Upcycling-Mode und Näh-Workshops anbieten wird. Eine großartige Ergänzung ihres eigenen Angebots. Was sie antreibt? Es ist das große Glück, genau das tun zu können, was sie liebt, antwortet Birgit Elisabeth Holzapfel ohne Zögern. Bleiben da noch Wünsche? Eine japanische Legende besagt ja, dass die Götter demjenigen, der 1.000 Kraniche faltet, einen Wunsch erfüllen. Die Wünsche der Kundschaft erfüllt Birgit Elisabeth Holzapfel jedenfalls von Donnerstag bis Samstag in der Papeterie.

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