Tour 9: Gartenroute Lübeck (ca. 70km)

Sie ist für die südliche Altstadt (Wallanlagen) als Fußgängerroute (3,7 km) konzipiert. Im Norden der Altstadt können die Gärten 2-6 auf 8 km erwandert oder erradelt werden. Weiter geht es per Rad (Garten 7-10), nach Travemünde auch per Boot.

Der Handel machte das wasserumschlossene Lübeck zur "Königin der Hanse". Dabei waren die Gewässer nicht nur Transportweg, sondern dienten auch dem Schutz der Stadt. Reste des Wehrsystems sind in den landschaftlich gestalteten Wallanlagen erlebbar. Auch andere beliebte Ausflugsziele liegen nahe am Wasser, so auch in Travemünde mit seinem quirligen Strandleben und lebendigen Parks. Romantische grüne Oasen hinter alten Mauern laden in der Altstadt zum Träumen ein. Vor dem Burgtor beeindrucken der Stadtpark, ehemalige Sommerhäuser reicher Kaufmannsfamilien mit ihren üppigen Gärten und geschichtsträchtige Friedhöfe. Das spannende Werk der Gartenarchitekten Erwin Barth und Harry Maasz verbindet viele Gärten der Stadt. Eine moderne Spielform der grünen Paradiese ist der weitläufige Carlebachpark.

1.Wallanlagen: Possehlstraße, Wallstraße, Haupteingang Puppenbrücke am Holstentorplatz

Wie ein grüner Kranz legen sich die Wallanlagen um den Süden der Altstadt. Die Lübecker Wasserläufe umschließen und durchfließen die baumbestandenen Wälle. Bis ins 18. Jahrhundertdienten die Befestigungsanlagen dem Schutz der Stadt. Als dieser entbehrlich wurde, begann man mit der Verschönerung der Wallanlagen, zunächst 1765 durch Alleepflanzungen, dann1779 mit der Pflanzung exotischer Bäume wie Trompetenbaum und rotem Zedernbaum. Die Wege auf der Wallkrone und am Wallfuß boten damals wie heute reizvolle Spaziergänge mit Blickauf die Altstadt. 1920 entstanden die Sportanlage Buniamshof, die Freilichtbühne sowie der Spielplatz am Kaisertor.

2. Bürgergärten: Königstraße 5

Versteckt hinter ehrwürdigen Bürgerhäusern und hohen Gartenmauern laden beschauliche grüne Paradiese zu Sehgenüssen ein. In der dicht bebauten Lübecker Altstadt verschmelzen die weitläufigen Gärten zu einer Oase der Kunst. Der Garten des Heiligen-Geist-Hospitals erinnert fern an Klostergärten, denn sprudelndes Brunnenwasser verströmt kontemplative Stimmung. Moderne Skulpturen kontrastieren mit bizarr gewachsenen Obstbäumen. Tipp: Lohnend ist auch ein Blick über den Gartenzaun in den von Harry Maasz gestalteten Ausstellungsgarten des Behnhauses.

3. Schulgarten: An der Falkenwiese, Mo-Fr 7-19 Uhr u. Sa & So 10-19 Uhr

Eine Oase für Pflanzenfreunde ist der Schulgarten nahe der Wakenitz. Schon Erwin Barth hatte als Lübecker Stadtgärtner 1909 Pläne für einen Schulgarten entwickelt. Realisiert wurde der Garten aber erst durch seinen Nachfolger Harry Maasz 1913. Der Schulgarten war Ausdruck reformpädagogischer Ideen und ist auch heute noch dem Zweck der Anschauung und Bildung gewidmet. In den verschiedenen Gartenräumen wird eine Vielzahl von gärtnerischen und naturkundlichen Themen präsentiert. Sonnige Sitzplätze werden von Laubengängen aus Linden und Kletterpflanzen gerahmt. Wildblumenwiese, Feuchtbiotope, der Heidegarten und das Alpinum geben Einblicke in natürliche Landschaften und vermitteln die ihnen innewohnenden Stimmungen.

4. Stadtpark: Roeckstraße Eingebettet in ein gründerzeitliches Villenviertel und gerahmt von Kirschenalleen ist der Stadtpark eine ruhige Insel zwischen den belebten Straßen Travemünder Allee und Roeckstraße. 1902 wurde der 12 ha große Landschaftspark feierlich eingeweiht. Er bietet einen See, der von großzügigen Rasenflächen und ungewöhnlichem Baumbestand umgeben ist. Besonders reizvoll sind Blutbuchen, Silberahorne und eine Gurkenmagnolie. Bei den Lübeckern ist der Park im Frühjahr besonders beliebt, wenn Krokusse und Narzissen ihr Stelldichein geben.

5. Burgtorfriedhof: Eschenburgstraße

Der Wunsch nach Heil und Erlösung spricht aus vielen Grabstätten des Burgtorfriedhofs, der 1832 als erster "Allgemeiner Gottesacker" vor den Toren Lübecks angelegt wurde, als aufgrund einer Choleraepidemie enorme Engpässe bei Grabstellen entstanden. Zuvor fanden die Bestattungen in den Innenstadtkirchen und auf den sie umgebenden Kirchhöfen statt. Für jede der fünf Lübecker Hauptkirchen, also St. Jacobi, St. Petri, St. Marien, Dom und St. Aegidien wurde ein eigenes Quartier angelegt. Bedeutende Lübecker haben sich mit imposanten Familiengrüften und Einzelgrabstätten Denkmale gesetzt. Literarisch Interessierte können sich den "Buddenbrooks" widmen. Viele der auf dem Friedhof beigesetzten Mitglieder der Familie Mann waren, nicht gerade zu ihrem Gefallen, Vorbilder für die Romanfiguren Thomas Manns. Emanuel Geibel ist ebenso auf dem Burgtorfriedhof begraben.

6. Ehrenfriedhof: Sandberg

Nicht ein Ehrenhain auf freiem Feld, sondern von Wald umgebene geometrische Rasenplätze mahnen zum Gedenken an die Opfer der Weltkriege. Dunkle Eiben und Rhododendron heben die Wirkung gegenüber den silbrigen Stämmen der Buchen. Der Gartenarchitekt Harry Maasz hat diesen Ehrenfriedhof geschaffen und dort selbst seine letzte Ruhe gefunden. Im Schatten von Buchen und Eichen, unter denen Gedenksteine solch bedeutender Persönlichkeiten wie Dr. Julius Leber errichtet sind, ergreift die Melancholie vom Ort Besitz.

7. Brüggmanngarten: Bertlingstraße, 23570 Lübeck-Travemünde

Heitere Urlaubsatmosphäre bestimmt den Veranstaltungsgarten an der Promenade in Travemünde. Mit Konzerten und Sommerkino, die mit der Musikmuschel aus den 1950er Jahren und einem Zelt einen schönen Rahmen haben, steht der Brügmanngarten in der langen Tradition Travemünder Kurkonzerte. Nahe der Musikmuschel befindet sich der "Chillgarden", wo auf Drehsesseln fantastisch "gechillt" werden kann. Und an der Ostseepromenade wurden Blumenbänder angelegt, die wie Flöße in einer weitläufigen wassergebundenen Fläche liegen.

8. Godewindpark: Godewind, 23570 Travemünde

Travemünde wurde bereits 1802 drittes Seebad Deutschlands. Um 1900 erlebte der Badeort einen enormen Aufschwung. Am Rand der Villenkolonie mit schönen Straßennamen wie Backbord, Steuerbord, Mittschiffs und Achterdeck liegt der Godewindpark. Ein ausgedehnter Teich wird von weitläufigen Rasenflächen umspannt, die von altem Baumbestand geziert werden. Besonders schöne Exemplare stammen aus den Gattungen der Eichen und der Ahorne. Am Südausgang des Parks liegt der Strandbahnhof. Im Schatten des Kalvarienberges ist eine Vielzahl alter Bäume zu bewundern. Eine wunderschöne Lindenallee führt ins Zentrum von Travemünde.

Vorwerker Friedhof: Friedhofsallee 83

Der 53 ha große Vorwerker Friedhof ist von Hecken und Alleen durchzogen. Breite Eichenalleen zielen auf Kapellen, Säuleneichen fokussieren Mahnmale, Fichten- und Kiefernalleen rahmen Wege des Gedenkens. Erwin Barth schuf sonnendurchflutete Quartiere, unterteilt durch akkurat geschnittene Hecken und waldartige Schatten- partien. Der Spaziergänger kann sich an handwerklich schönen Schöpfbecken, Lindenrondellen und hübschen Sitzecken erfreuen.

Carlebachpark: Gerty-Cori-Straße

Im rasch wachsenden Hochschulstadtteil wurde mit dem Carlebachpark ein moderner Bürgerpark geschaffen, der das Uniklinikum mit dem neuen Stadtteilzentrum verbindet. Mit der von Ahornbäumen beschatteten "Esplanade" auf der Nordseite und einer schmaleren Promenade auf der Südseite wird diese Verknüpfung ausdrucksstark inszeniert. Weitläufige Wiesenflächen laden zum Entspannen ein. Auch wenn das Blätterdach der an markanten Punkten gesetzten Schattenspender noch wachsen muss, formen Amberbäume, Silberweiden und andere Gehölze schon jetzt schöne Kontraste auf den Rasenflächen. In bandartigem Nebeneinander zeitgenössisch gestaltet liegen zwischen Esplanade und Wiese farbenfrohe Sport- und Spielflächen. Hecken und schlichte Laubengänge bilden Nischen zum Sonnenbaden und Verweilen. Der Park ist benannt nach dem in Lübeck geborenen Rabbiner Felix F. Carlebach (geb. 1911) der wegen seines Bemühens um die Aussöhnung mit jüdischen Mitbürgern 19. Ehrenbürger Lübecks wurde.

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